Vortrag 1: Ansgar Jonietz, Geschäftsführer, „Was hab‘ ich“ gGmbH: „Was hab‘ ich? Damit Arzt und Patienten sich auf Augenhöhe begegnen“

Ansgar Jonietz stellte uns drei Projekte zur Übersetzung „vom Medizinerlatein ins Patientendeutsch“ vor. Zunächst präsentierte er das mehrfach ausgezeichnete Projekt „Was hab‘ ich?“. Auf der Website https://washabich.de/ können Patienten ihren ärztlichen Befund einsenden, wenn Sie diesen nicht verstehen. Das Dokument wird dann kostenfrei in eine leicht verständliche Sprache übersetzt. Die Übersetzung beinhalte keine Interpretation des Befundes oder eine Therapieempfehlung. Sie solle lediglich das Arzt-Patienten-Verhältnis unterstützen und Patienten dazu befähigen, eigene Therapieentscheidungen zu treffen, so Ansgar Jonietz.
Übersetzt werden die Befunde von ehrenamtlichen Medizinstudenten sowie von Ärzten. Die Medizinstudenten befinden sich mindestens im achten Fachsemester und werden über ein Supervisor-Programm zuvor von Ärzten darin ausgebildet, „Patientensprache“ zu sprechen. Derzeit unterstützen insgesamt etwa 100 ehrenamtliche Studenten und Ärzte das Projekt, die seit 2011 30.000 Befunde übersetzt haben.
Möglich ist dieses kostenfreie Angebot durch die ehrenamtliche Tätigkeit der Studenten und Ärzte, eine langfristige finanzielle Planung gibt es nicht.

Ansgar Jonietz präsentierte uns darüber hinaus ein zweites Projekt, den Befunddolmetscher (https://befunddolmetscher.de/). Auf dieser Website können Patienten kurze medizinische Begriffe nachschlagen, die zuvor von Ärzten übersetzt wurden. Das Projekt wird durch die Bertelsmann Stiftung gefördert.

Zudem wird in einem Pilotprojekt, das durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird, auf Basis des Entlassungsbriefes in Kliniken ein Patientenbrief erstellt. Dieser Patientenbrief wird durch eine teilautomatisierte Software übersetzt und von festangestellten Ärzten nachbearbeitet. Im Nachgang wird der Brief im Namen der Klinik an die Patienten verschickt. Dazu läuft seit 2015 eine Pilotphase an der Paracelsus-Klinik Bad Ems. Eine vollständige Evaluation durch die TU Dresden steht noch aus, die Klinik hat das Projekt nun aber bereits auf einen weiteren Fachbereich ausgeweitet. Das langfristige Ziel sei es, automatisiert individuelle Informationen den Patienten bei der Entlassung mitzugeben. Ein solches Serviceangebot könne, so Ansgar Jonietz, ein Wettbewerbsvorteil für Kliniken sein.

Vortrag 2: Thomas Bredehorn, stv. Abteilungsleiter Health Care Logistics, Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik: „Patientenakte und Krankenhauslogistik“

Thomas Bredehorn präsentierte uns Ansätze zur Verknüpfung von Patientenakte und Krankenhauslogistik. Bisher seien die Daten der Patientenakte und die logistischen Prozesse im Krankenhaus weitestgehend getrennt.
Als konkretes Beispiel führte Thomas Bredehorn an, dass es keine Verbindung zwischen der Logistik, der Materialwirtschaft und der Pflegedokumentation gäbe. Daher könne auch nicht nachvollzogen werden, was ein Patient an Material verbraucht. Um diese Trennung zwischen Material- und Pflegedokumentation aufzubrechen, müssten zukünftig eindeutige Identifikationsmerkmale (durch z.B. Barcodes) zur Verknüpfung zwischen Patientenakte und Logistik vergeben werden. Ein solches Konzept schaffe Kostentransparenz und könne auch in das DRG-Controlling einbezogen werden. Zudem werde sichergestellt, dass es zu keinen Engpässen bei der Materialversorgung kommt. Der Mehraufwand des Prozesses sollte dabei möglichst gering sein.

In der Zukunft würden durch Cyber-physische Systeme und dem Internet der Dinge Behandlungs- und Versorgungsprozesse im Krankenhaus digitalisiert und vernetzt werden. Erforderlich sei dabei vor allem eine sinnvolle dezentrale Steuerung der Prozesse. Die Einhaltung der Datensicherheit sei dabei ein wichtiges, aber kein hinderliches Element.