Im Interview Walter Rosche – Erster Geschäftsführer und langjähriger Vorstand der P.E.G. eG

  1. Am 1. Juli 1971 hatten Sie ihren ersten Arbeitstag der P.E.G. Fast genau ein Jahr nach der Gründung (12.Juni 1970). Wie waren die Anfänge der P.E.G. aus Ihrer Sicht? Wie sind sie gestartet?

Ein Schreibtisch, ein Stuhl, ein Telefon, welches nicht angeschlossen war, sondern nur über die Zentrale zu erreichen war – so sah das kleine Büro in der Münchner Schreiber-Klinik aus, in dem die Karriere von Walter Rosche durchstarten sollte. Hier begann der studierte Betriebswirt 1971 seine Tätigkeit bei der Privatklinik-Einkaufsgenossenschaft P.E.G. Doch wie so oft war aller Anfang schwer: Das ein Jahr zuvor vom Chef der Schreiber-Klinik gegründete Unternehmen lag bereits wieder im Sterben; es war ineffizient und lieferte seinen Mitgliedern keinen nennenswerten Mehrwert. „Man sagte mir damals, ich solle mich lieber nach einem anderen Job umsehen, aber ich witterte die Chance, etwas zu gestalten“, erinnert sich Rosche zurück: „Und selbst wenn es schief gelaufen wäre: Ich war ja gerade erst 31 geworden.“

  1. Welche schnellen Erfolge konnten Sie generieren?

Als neuer P.E.G.-Geschäftsführer ging er als erstes bei den Mitgliedern – den Chefs von Privatkliniken – Klinkenputzen und erbat sich eine Galgenfrist. In dieser knüpfte er Kontakte zu Unternehmen und Neumitgliedern und konnte schon nach kurzer Zeit Erfolge in Form von besserer Einkaufskonditionen präsentieren.

Ende des Jahres 1971 hatte die P.E.G. bereits 50 Mitglieder und einen Umsatz von 1,7 Millionen DM mit 20 Partnerlieferanten – die Initiative der 24 Gründungsmitglieder war gerettet. Rosche: “Mir reichte das noch lange nicht.“ Auf Kongressen von Privatklinikverbänden warb er für seine Genossenschaft. Zuerst in Baden-Württemberg, dann in Schleswig-Holstein kurz darauf in ganz Deutschland und sogar in europäischen Nachbarländern.

  1. Welche Hemmnisse sind aufgetreten?

Die Ausgangssituation war mehr als schwierig, denn aufgrund der erst kurzen Existenz der P.E.G. wies diese besonders im organisatorischen Bereich noch eine ganze Reihe von „Kinderkrankheiten“ auf. Unterlagen über die bisherige Arbeit mussten sich Herr Rosche erst mühsam von verschiedenen Stellen beschaffen. Herr Rosche musste quasi bei Null anfangen und dabei stieß er mit seinen Vorstellungen und Vorschlägen immer wieder an Grenzen und oft auch auf Unverständnis bei einigen Mitarbeitern in den Klinikverwaltungen.

1972 als Rosche die erste Dividende auszahlen wollte stieß er auf ein ganz besonderes Problem: „Die Gründer hatten es versäumt, die Genossenschaft wirklich zu gründen – das Unternehmen existierte wild und war bei keinem Verband oder Registergericht gemeldet“. Gemeinsam mit einem damaligen Verbanddirektor des Bayerischen Genossenschaftsverbands Schulze-Delitzsch konnte dieses Missverständnis jedoch schnell aus der Welt geschafft werden.  

  1. Wie haben die Industriepartner reagiert?

Im ersten Jahr nach der Gründung der Genossenschaft waren gerade 2-3 Verhandlungen mit Firmen geführt worden, von einem der Klinikinhaber (Dr. Koscharde), z.B. mit B. Braun. Nach Prüfung der Rechnungen der Privatklinik Dr. Schreiber sind 15 Firmen hervorgestochen bei denen die Klinik öfters einkauft. Fast alle der Firmen sind zu Verhandlungen gekommen und haben interessante Angebote gemacht.

  1. Welches Argument war das schlagkräftigste bei der Werbung neuer Mitglieder?

Nachdem mit den Lieferanten erste Preise verhandelt waren, erfolgte die Gespräche mit den 24 Gründungskliniken, diese waren zunächst sehr skeptisch, aber mit den neu verhandelten Preisen waren diese schnell zu überzeugen.

Neben den Verhandlungen mit weiteren Industriepartnern war dann eine wichtige Aufgabe weitere Interessenten zu finden. Erster Anknüpfungspunkt waren die anderen Mitglieder vom Verband der Privaten Klinikanstalten. In den 70er Jahren gab es alleine in München knapp 30 Privatkliniken. Neben Privatkliniken waren auch Sanatorien (Kurkliniken) sehr interessant.

  1. Wie waren dann die weiteren Entwicklungen?

Zusammenarbeit mit den Privatklinikverbänden

Mit Hilfe der guten Verbindungen von Dr. Schreiber u.a. zu den Verbänden der Privatkliniken konnten die Mitgliederzahlen schnell weiter gesteigert werden. Wenn Herr Rosche aus dieser Anfangszeit der P.E.G. erzählt, fällt ihm immer eine recht amüsante Episode ein: Er war zu einer Vorstellung der P.E.G. anlässlich eines Verbandstages der Vereinigung der Baden- Württembergischen Privatkliniken in Stuttgart eingeladen. Nachdem er dort mehrere Stunden vor verschlossener Tür hatte warten müssen, wurde er mit den Worten „… und jetzt kommt noch ein Maggi-Vertreter“ als Vortragender angekündigt. Herr Rosche kommt heute noch ins Schmunzeln, wenn er daran denkt, dass die damals versammelten Klinikleiter heute alle Mitglieder der P.E.G. sind. Dr. Graf Waldburg-Zeil, Generalbevollmächtigter der Waldburg-Zeil Kliniken kam danach auf Ihn zu mit der Aussage „Ich finde toll was Sie da machen, ich möchte Sie einladen mich in Wangen zu besuchen“. Dr. Graf Waldburg-Zeil war Generaldirektor der Waldburg-Zeil-Kliniken, diese hatten damals schon 2000 Betten und er war im Vorstand des baden-württembergischen Verband. Damit war das Eis gebrochen und es folgten 20 Mitglieder aus Baden-Württemberg. Zudem gab es eine Vereinbarung mit einem Verbandsmitarbeiter der Werbung für die PEG machte. Am Ende hatte die PEG fasst mehr Mitglieder in Baden-Württemberg als in Bayern. Herr Dr. Schreiber hatte auch Kontakte zum Verband Schleswig-Holstein, nach Vorstellung der PEG in Kiel sind direkt 14 weitere Häuser beigetreten. Und so wuchs die Mitgliederzahl der PEG rasch in der ganzen Bundesrepublik. Herr Rosche besucht fasst alle Einrichtungen selbst, er konnte daher kaum mehr im Büro sein. Er hatte sich seine Arbeitstage dann eingeteilt. Der Montag war reserviert für Termine mit der Industrie und Dienstag-Freitag war er vereist. Die Buchhaltung wurde von extern gemacht.

Umzug der PEG

Bis zu diesem Zeitpunkt war das Büro immer noch im Nebenzimmer von Dr. Schreiber. Im Frühjahr 1972 wurde ein kleines Haus gegenüber der Klinik von Dr. Schreiber angemietet. Im selben Jahr wurden dann zwei Mitarbeiter eingestellt, um den rasch ansteigenden Arbeitsaufwand zu bewältigen. Es wurden Herr Schütt, der auch aus der Betriebswirtschaft kam, und eine Bürohilfe eingestellt. Herr Rosche war viel unterwegs und Herr Schütt war für das Geschäft vor Ort verantwortlich und führte Telefonate und Lieferantengespräche.

  1. Wer war der erste Industriepartner der gelistet wurde? Welche Industriepartner waren bereits gelistet als sie angefangen haben? Welche Industriepartner waren die ersten mit denen Sie Gespräche geführt haben?

Im ersten Jahr nach der Gründung der Genossenschaft waren gerade 2-3 Verhandlungen geführt worden einem der Klinikinhaber (Dr. Koscharde). Nach Prüfung der Rechnungen der Privatklinik Dr. Schreiber sind 15 Firmen hervorgestochen bei denen die Klinik öfters einkauft. Fast alle der Firmen sind zu Verhandlungen gekommen und haben interessante Angebote gemacht. Einer der ersten großen Verträge war der mit B. Braun.

Herr Rosche hat alle wichtigen Messen besucht. Dort wurden alle Firmen besucht mit denen die P.E.G. Geschäfte machten oder Geschäfte machen wollten. Inzwischen hatte man schon einen Namen gehabt und wurde empfangen. Es gab aber auch viele Streitgespräche, z.B. erinnert er sich an Gespräche Herrn Lohmann dem damaligen Direktor und Aussagen wie „Was bringen Sie uns eigentlich, beweisen Sie es mir doch mal“. Aber am Ende ließen sie sich alle überzeugen. Intensive Gespräche hat er auch mit Herrn Schmidt, damals noch bei Ethicon geführt. Ethicon hatte damals nur ein Vertrag über Bayern. 3-4 Jahre haben die Verhandlungen mit Herrn Schmidt gedauert bis man eine bundesweite Listung hatte.   

  1. Im Bericht zu 25 Jahren PEG wird damit abgeschlossen: Zum Abschluss seines Berichts sagte Herr Rosche: „Auch die nächsten 25 Jahre wird die P.E.G. ein wichtiger und zuverlässiger Partner für Ihre Mitglieder und Lieferanten bleiben“ – Wie lautet ihr Fazit nach 50 Jahren PEG? Und was wollen Sie der PEG für die nächsten Jahre mit auf den Weg geben?

Ich würde der Gesellschaft heute auch noch Zukunft geben, wenn Sie sich entsprechend ausrichtet, was Sie ja auch macht. Man muss in mehreren Sektoren tätig sein. Man muss den Mitgliedern wirkliche echte Hilfestellungen anbieten können, nicht nur im Einkauf, sondern auch im täglichen Leben.

Von |28 09 2020|

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