Nachhaltigkeit in Kliniken – Interview mit Jens Leveringhaus

Was können Kliniken tun, um künftig nachhaltiger zu werden? Genau dieser Fragestellung widmet sich die Green Health Offensive der PEG. Welche Bereiche dabei in Sachen Nachhaltigkeit im Fokus stehen und welche Vorteile dies mit sich bringt, zeigt Jens Leveringhaus im Interview mit dem Magazin „das Krankenhaus“ auf.

Was können die Bereiche Versorgung und Beschaffung tun, um Kliniken umweltfreundlicher und klimaneutraler zu machen?

Es gibt Studien, die im Gesundheitssektor etwa 70 % der CO2-Emissionen dem Bereich Einkauf und Beschaffung zuschreiben. Das hat gewiss verschiedene Komponenten, wobei die Logistik sicher eine große Rolle spielt. Es gibt aber auch zahlreiche andere Faktoren. Wichtige Aspekte sind auf der einen Seite die Produkte und Artikel selber. Wir müssen uns fragen, wo und unter welchen Bedingungen wurden sie produziert? Aber auch der Einsatz der Materialien und Produkte gehört auf den Prüfstand: In den Kliniken kommen viele Wegwerfartikel und Produkte zum Einsatz, die nur einmal benutzt werden können. Das muss hinterfragt werden. Es geht auch um das Thema Re-Use und Recycling und um Vorkonfektionierung. In Kliniken fällt eine enorme Menge Abfall an. Allein im OP wird sehr viel Müll produziert. Dort müssen oftmals sogar Dinge weggeworfen werden, die überhaupt nicht zum Einsatz gekommen sind. Über die Optimierung von Prozessen lässt sich auch hier vieles erreichen. Es gilt, konsequent zu prüfen, in welchen Bereichen Abfall vermieden werden kann und welche Produkte einer neuen, nachgelagerten Nutzung zugeführt werden können. Letztlich müssen wir zu einem ganzheitlichen Ansatz für mehr Nachhaltigkeit im Krankenhaus kommen.

Wird sich der Einkauf auch durch die Erfahrung der Pandemie verändern?

Es hat sich ja bereits kurzfristig sehr viel verändert in der Pandemie. Die Krankenhäuser hatten den Fokus auf das Thema Versorgungssicherheit zu legen. Gerade im ersten Jahr der Pandemie stand die Beschaffung im Gesundheitswesen plötzlich vor existenziellen Problemen: Es gab in den ersten Wochen eine Verknappung von Schutzkleidung, von Schutzmasken und Handschuhen, dann waren zu wenig Schnelltests verfügbar. Dann kam im März dieses Jahres noch die Havarie des Frachters „Ever Given“ im Suezkanal hinzu, die den weltweiten Handel lahmlegte. Die Handelsroute zwischen Asien und Europa war blockiert, Waren aus Asien erreichten Europa nicht. All das hat ein Umdenken bei vielen Krankenhäuser bewirkt. Heute spielt das Thema Bevorratung wieder eine große Rolle, die Kliniken haben Sicherheitsläger eingerichtet für den Krisenfall. Auch fragen viele nun im Zusammenhang mit dem Einkauf, wo die Waren hergestellt werden, ob in Fernost oder im europäischen Wirtschaftsraum.

Zum ausführlichen Interview geht es hier. (Quellhinweis „Das Krankenhaus, Ausgabe 8/ 2021“)

Von |09 09 2021|

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